Der Beziehungs- Status zum Geld ist ein Fragezeichen

Geld ist seit je her ein Mysterium, einige sehen es als Teufelswerk oder Quelle des Bösen, die Kriege, sowie Leid verursacht und verfluchen es. Andere hingegen nutzen Finanzmittel bewusst und schaffen damit Fortschritt und Wohlstand für sich und auch für ihr Umfeld. Die meisten hingegen verwenden es im Alltag zwangsläufig, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, solange es für ein Auskommen reicht und man ein wenig jammern kann, dass es hier und da für etwas fehlt. Geld besitzt scheinbar eigenen Gesetztmässigkeiten und Kräfte, während es einigen nur so zufliegt, mühen sich andere das ganze Leben ab ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Die Münzen und Scheine garantieren unser Überleben und dessen Qualität aber was wissen wir eigentlich objektiv über unsere Verhältnis zu Geld?


Nach dem Kindergarten folgt die erste Etappe unseres Lebens, die uns auf unser späteres erwachsen Sein vorbereiten soll. Scheinbar wären dieser Ort und die lange Dauer eine gute Gelegenheit um von klein auf Kindern beizubringen was Geld ist, wie Zinsen funktionieren und was eigentlich geschieht wenn man auf Dauer mehr ausgibt als einnimmt. Eine Grundlage des gesunden Wirtschaftens könnten Kinder spielend erlernen. Tatsächlich lernen wir je nach Schulform verschiedene Bereiche unserer Welt kennen und beschäftigen uns mit Kaisern und deren Affären, die vor 2000 Jahren gelebt haben, mit dem Lebenszyklus von australischen Kängurus und wahrscheinlich auch mit der Interpretation von Gedichten, die wohl der ein oder andere Künstler im nicht ganz nüchternen Zustand verfasst hat. Mathematik hingegen, eines der für das spätere Leben nützlichsten Fächer genießt seit je her den Ruf als kompliziert, unnötig und spießig. Ohne mathematische Grundlagen weiß man jedoch nicht genau, ob der Bäcker sich nicht zuviel für die Schokoladen-Donuts eingesteckt hat, wie weit wir auf dem verbliebenen Tank noch fahren können, oder wie lange wir brauchen bis das Haus in dem wir leben nicht mehr der Bank gehört, sondern einem selbst.


Nach der Schule, im erwachsenen Leben angekommen, streben die meisten von uns einen Beruf an. Wer jetzt nicht gerade Großindustrieller oder Finanzhai wird, sondern eher Lehrer, Fitness-Trainer oder vielleicht Arzt wird sich in seinem späteren Leben beruflich kaum damit befassen, wer dieser DAX eigentlich ist und wo er wohnt, wie ein Covered Bond funktioniert und wieso dieser kein Geheimagenten ist oder warum wir bei unserem Bankberater eigentlich nie für einen Termin bezahlen muss; und wovon zum Teufel ernährt dieser Mann überhaupt seine Familie? Nun gibt es sicherlich einige die eine Neigung zu Finanzen haben und in Ihrer Freizeit Bücher und Zeitungen lesen und sich einen Überblick verschaffen. Andere hingegen verbringen mehr Zeit damit sich ein neues Smartphone, einen Fernseher oder ein Auto auszusuchen. Sie vergleichen akribisch Leistung, Megapixel, Räderzahl und die Größe des App Stores. Dieser Research findet schon Wochen und Monate vor der eigentlichen Anschaffung des Produktes ab, sodass man ganz genau weiß, welcher Fernseher schlussendlich gekauft werden muss um alle Satelliten in unserer Erdumlaufbahn anzuzapfen und somit mindestens 10000 Sender empfangen zu können. Für den Abschluss eines Bausparvertrages oder einer Versicherung nimmt man sich hingegen einen freien Nachmittag und setzt mal eben locker eine Unterschrift, die einen 30 Jahre bindet ohne sich damit weiter zu befassen, denn der nächste Smartphone Kauf steht ja schon bevor und da muss man sich ja frühzeitig Info Material beschaffen.


Wir verlassen uns in unserem späteren Leben in finanziellen Aspekten fast blind auf die Worte von “Beratern”, ohne zu hinterfragen, wie diese qualifiziert sind und wie sie eigentlich ihr Geld verdienen, weil wir uns nicht gerne mit Themen auseinander setzen, die uns zu komplex oder sehr zeitaufwendig erscheinen und uns noch zusätzlich unserer knappen Freizeit berauben. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart, dass es grundsätzlich zwei Arten von Beratern gibt. Zum einen Honorar Berater, die feste Stundensätze nehmen und überwiegend gemieden werden, da man ja schon für den Frisör, das Kindermädchen und den Taxifahrer bezahlt hat. Die Zweite Kategorie sind die Provisionsberater, die uns auf den ersten Blick gar nichts kosten und diese vielleicht sogar scheinbar ehrenamtlich ihren Beruf ausüben? Wie der Name schon sagt verdienen diese wie jeder andere Verkäufer auch ihre Brötchen mit Gewinnbeteiligungen an verkauften Produkten. Wir sollten nicht annehmen, dass jeder dieser Verkäufer uns die beste Anlageform verkauft, wenn er bei einer anderen vielleicht einen etwas besseren Bonus erhalten könnte. Gerade weil uns diese Verträge aufgrund von mangelnder Kenntnis und Vorbereitung nicht geläufig sind und wir vielleicht erst nach Jahren erkennen, dass unterm Strich weniger rausgekommen ist, als rein gesteckt wurde. Der nach Hause gebrachte Fernseher, der nur 9999 Sender empfängt ist schnell als falsch Beratung enttarnt und der Kaufvertrag widerrufbar. Die Fehlentscheidung bei einer Kapitalanlage sieht man immer erst, wenn es zu spät ist.


Zusammenfassend sehen wir, dass uns in der Schule gar nichts zum Thema Geld beigebracht wird. In unserem erwachsenen Leben befassen sich die meisten von uns beruflich nicht mit Geld und in unserer Freizeit teilen wir mit unseren Freunden andere Themen und vertrauen meistens letztendlich auch nur Menschen, die daran verdienen, dass sie uns etwas verkaufen und uns nicht beraten.  Stellen wir uns einmal vor, wir würden uns mehr Zeit nehmen unsere Finanzen selbst zu organisieren. Ist es vielleicht möglich langfristig viel Geld zu sparen, wenn wir uns kostenpflichtig informieren oder uns einmal in der Woche hinsetzten und uns etwas selbstständig zu diesen Themen beibringen, anstatt eine TV Show zu schauen? Gibt es vielleicht sogar Menschen, die dieses umsetzen, davon profitieren und es so scheint als ob ihnen die Scheine nur so zufliegen würden? Wie in allen Belangen haben wir es selbst in der Hand, welches Verhältnis wir zu unserem Portemonnaie pflegen, mit dem Unterschied, dass unser Portmonee die Grundlage unserer Lebensqualität ist und Fernseher mit 10001 Kanälen und Smartphones mit 720 Grad Kameras lediglich die Erträge sind und nicht umgekehrt.


“Es ist sinnvoller eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als einen Tag dafür zu arbeiten” Andre Kostolany.

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