Architektur, Mode, Mailand

Ich bin zwar noch nicht wieder zuhause angekommen, aber ich möchte die freien Minuten nutzen, um den ein oder anderen zu einem Mailand Besuch zu ermuntern. Ich hatte bis vor Kurzem noch nicht die Gelegenheit gehabt die Stadt zu sehen, was eigentlich eine Schande ist, da Mailand traditionell als führender Finanzplatz Italiens gilt.


Aus ersichtlichen Gründen war auch Mailand wie die meisten Metropolen eine Verkehrskatastrophe, sodass ein Erkunden der Stadt mit dem Auto an eine Unmöglichkeit grenzt. Nachdem das also Auto einen sicheren Platz in einer der zahlreichen Tiefgaragen gefunden hat fand ich über Google die Möglichkeit die Stadt in einem der typischen, roten, londoner Busse zu besichtigen.


Wie schon in anderen Städten zuvor erwies sich das also hervorragende Idee, da man sich zum einen das Studieren der U-Bahnpläne sparen konnte und zum anderen keine Route planen musste, die dann ein Taxifahrer für einen abfährt. Bequem zieht die Stadt an einem im ersten Stock des Busses vorbei und ein Reiseführer erzählt zu jeder der unzähligen Stationen einige Anekdoten. Bei Interesse kann man an einer Station ebenfalls aussteigen und sich nach einer detaillierten Besichtigung im Stundenrhythmus wieder einsammeln lassen.


Da ich ein eher bescheidenes Wissen im Bereich der Architektur besitze aber mich umso mehr dafür begeistere, war Mailand unter diesem Gesichtspunkt ein echtes Highlight. Im Gegensatz zu vielen europäischen Städten, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind, war Mailand in meinen Augen fast Bombenlos davongekommen, obwohl der Reiseführer felsenfest das Gegenteil behauptet hat. Das liegt aber vielleicht daran, das dieser noch nie einen Trip nach Dresden oder Köln unternommen hat. Die kontrollierte Bebauung der Stadt vermischt die zeitlichen Epochen sehr gelungen, wobei ich dieses vielleicht einfach auf die italienische Fähigkeit zurückführe schöne Dinge zu erschaffen. Ich betone an dieser Stelle das Adjektiv schön, da ich damit keinesfalls technisch wertvoll meine, wenn man sich mal die Automobile der Italiener genauer betrachtet, aber in der Architektur, der Mode und im Design im allgemeinen bilden sie definitiv die Speerspitze der Welt.


Wenn ich hier erwähne, dass Mailand eine Modemetropole ist entdecke ich sicherlich kein Neuland aber ich erwähne dieses aus einem anderen Grund. Wenn man die Stadt in weiblicher Begleitung besuchen sollte, kann man die geschichtlich-wertvollen Orte trotzdem ohne Probleme erleben, da die Einkaufsmöglichkeiten in so einem Umfang ausgeprägt sind, dass man die Begleitung wahrscheinlich eine ganze Woche beschäftigen könnte, ohne dass sie einen auch nur anrufen würde, sodass man sich ganz auf die Geschichte der Stadt und der teils sehr bekannten Einwohner und Besucher einlassen kann.


Ähnlich wie die Franzosen sind zahlreiche Italiener aber vollkommen resistent was die englische Sprache betrifft, sodass man entweder eine App, ein Wörterbuch oder gute Pantomimefähigkeiten mitbringen sollte, da die Kommunikation schnell an ihre Grenzen stößt.


Zu guter Letzt möchte ich auch noch all diejenigen warnen, die nicht unabhängig vom Aufenthaltsort immer bei McDonalds oder Subway essen, sondern gerne wie ich regionale Speisen und Getränke ausprobieren. Das Essen war wie die italienische Küche im allgemeinen hervorragend, allerdings gibt es in Italien ein sehr verlockend aussehendes Getränk, dass optisch Ähnlichkeiten zur Cola aufweist. Dieses Zeug trägt den Namen „Chinotto“ und ich rate jedem aufrichtig davon ab dieses Getränk zu probieren, da ich dieses eindeutig als größte außerordentliche Abschreibung des Aufenthalts verbuche.