cashguide: 1 Börse

Ich werde schon seit längerer Zeit in meinem privaten Umfeld zu Themen rund um die Börse befragt, darunter fallen neben klassischen Aktien auch oftmals die Schlagworte ETF´s, Fonds, Optionen, Zinsen, Leverage und vieles mehr. Da ich zum einen sehr tief in der Materie bin und zum anderen auch gerne die Fragen beantworte und darüber diskutiere bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich mein Wissen hier mit einer breiten Masse teilen möchte. Ich denke, dass die Bereitschaft von Menschen sehr groß ist sich mit dem Thema Geld und Börse auseinander zu setzen, aber Pseudoberater verkomplizieren leichte Sachverhalte, um ihre Daseinsberechtigung zu behalten, obwohl viele von ihnen aus meiner Erfahrung selbst wenig Ahnung haben von dem was sich eigentlich tuen und das Produkt mit der größten Provision verkaufen.


Ich werde hier eine Blogreihe rund um das Thema Finance schreiben und von Grund auf die Thematik für jeden leicht begreifbar und hoffentlich auch interessant zu gestalten. Ich denke jeder der dieses lesen wird sieht schnell, dass die ganze Finanzbranche kein Hexenwerk ist, sondern ganz einfache Mechanismen des Alltages dahinter stehen.


Ich könnte diese Reihe auch Finance für Dummies nennen, aber da ich kein Fan dieser bekannten Büchercover bin, weil jemand, der sich mit etwas noch nicht beschäftigt hat, sich selbst nicht von vorne rein zu einem Dummie reduzieren lassen sollte. Von daher bin ich gerne für Anregungen bezüglich des Namens offen. Bis sich etwas passendes gefunden hat, schreibe ich das ganze unter dem Namen „cashguide“.


Der erste Teil dieser Reihe startet dann offiziell an dieser Stelle und behandelt zu Beginn natürlich das Thema Börse.

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke stand in keinem Unterrichtsfach das Thema Börse auf dem Plan, obwohl Börsen den zentralen Bestandteil unseres Wirtschaftssystems darstellen. Die erste uns bekannte Börse ist schon über 500 Jahre alt und somit älter als die meisten vermuten. Diese entstand in Belgien und war zu Beginn noch kein Treffpunkt für Aktienhandel, stattdessen wurde dort verschiedene Währungen gewechselt. Die Bedeutung der Börse im Zusammenhang mit Aktien ergab sich erst viel später, als Große Projekte wie Schiffe und Eisenbahnstrecken in der Entstehung waren und dafür sehr viel Kapital erforderlich war.


Von hier an können wir einen Sprung in die Gegenwart wagen, da geschichtliche Informationen für Interessierte eine Googlesuche entfernt sind, sodass wir uns auf die Wirkungsweise der Börse konzentrieren.

Grundsätzlich kann man sich die Wirkungsweise der Börse als einen dieser Wochenmärkte vorstellen, an denen robuste Frauen ihr Gemüse unter das Volk mischen. Eine dieser Frauen bietet dort als Beispiel Tomaten zu einem Preis von 3 Euro das Stück an. Auf der anderen Seite kommt ein Koch und braucht für seine Tomatensuppe besagte Tomaten. Dieser möchte allerdings nur 1 Euro pro Tomate zahlen. In dieser Situation entsteht kein Handel und somit kann auch kein Preis/Börsenkurs für Tomaten.


Diese Situation ändert sich, wenn entweder der Koch bereit wäre die Tomaten für 3 Euro zu kaufen, das würde dann einen Preis/Börsenkurs von 3 Euro ergeben oder die Frau bereit wäre ihre Tomaten für 1 Euro abzugeben, weil es zum Beispiel schon spät am Nachmittag ist und sie ihre Ware nicht zurück nach Hause nehmen möchte. Dabei würde sich ein Preis/Börsenkurs von 1 Euro. Grundsätzlich könnte auch jede Einigung der beiden Parteien auf einen Preis erfolgen, somit würde jeder getätigte Handel einen Preis/Kurs für diese Tomaten festlegen den man notieren könnte. Würde diese Notierung nun mehrere Wochen am Stück vorgenommen werden, könnte ein Graph gezeichnet werden, der sich von den Graphen an der Börse nicht unterscheiden würde.


Das obere Modell sollte nun um mehrere Marktteilnehmer ergänzt werden, da jeweils nicht nur eine Verkäuferin ihre Tomaten anpreist. Stattdessen wird man von jeder erdenklichen Seite angebrüllt wie prächtig grün das Gemüse doch ist welches zum Kauf bereit steht. Ebenso gibt es nicht nur einen Koch, der Tomaten Kaufen möchte, sondern viele potentielle Käufer. Würde man jede Tomate, die so über die Theke gerollt ist mit dem dafür gezahlten Preis aufschreiben und für alle sichtlich zugänglich machen, ergäbe das einen einheitlichen Börsenpreis für Tomaten, der in Abhängigkeit von der angebotenen und nachgefragten Menge schwanken würde.


Eine Börse ist also von der Funktionsweise her nichts anderes als ein Wochenmarkt für Gemüse wobei der Handel an der Börse in zwei verschiedene Kategorien und Zwecke unterteilt werden muss.

Wie in der Einleitung bereits beschrieben wurde die Börse im Zusammenhang mit Aktien erst im Bezug auf große Investitionen wie Schiffe oder Eisenbahnen bekannt. Der Grund hierfür ist bei genauer Betrachtung recht Simpel. Eine Eisenbahnstrecke ist ein Projekt, welches sehr teuer ist, sodass die Realisierung auf viele finanzielle Schultern aufgeteilt werden muss, da dazu kaum eine einzelne Person in der Lage ist. Zu solchen Anlässen wurden Börsen aufgesucht um die Idee dort zu vermarkten und Geld einzusammeln. Das Projekt wurde vorgestellt und jeder Teilnehmer bekam die Gelegenheit ein Stück des Schienennetzes, einen Anteil als Eigentümer, zu erwerben. Nur so ist es mit der gebündelten Finanzkraft vieler möglich solche Projekte auf die Beine zu stellen, die auch nur in einem großen Umfang Gewinne erwirtschaften. Eine Strecke, die es mir ermöglicht von Hamburg nach München zu kommen ist weit aus attraktiver, aber auch teurer, als eine die mich nur nach Bremen bringt.


Dieser erste beschriebene Teil wird als Initial-Public-Offering (IPO) bezeichnet und bildet gemessen an den Transaktionen tatsächlich nur einen Bruchteil des gesamten Marktes. Hierbei Sammeln Unternehmen tatsächlich Geld ein um damit Projekte zu finanzieren und damit zu arbeiten.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist mit dem zweiten Teil des Marktes verbunden, der den Großteil aller Transaktionen ausmacht. Ich wurde öfters gefragt, ob beispielsweise Siemens beim Kauf einer Siemens Aktie auch das Geld dafür erhält, zudem die Aktie gekauft wurde. Die Antwort hierauf ist ein klares nein, welches immer wieder für Erstaunen sorgt. Siemens ist meines Wissens nach bereits im späten 19. Jahrhundert zu einer Aktiengesellschaft verwandelt worden, sodass dort Geld gegen Unternehmensanteile in das Vermögen von Siemens geflossen ist.


Jeglicher Handel, der an der Börse außerhalb von IPOs oder Kapitalerhöhungen (die ich in einem anderen Teil gesondert erklären werden) erfolgt, findet zwar über die Börse statt, hat aber nichts mit dem gehandelten Unternehmen zu tun. Wenn ich eine Aktie erwerbe dann kaufe ich diese einer anderen Person zu dem notierten Börsenpreis ab. Ich bekomme die Aktie und damit den Anteil am Unternehmen und der Verkäufer den Geldbetrag. Es ist also ein Eigentumsübergang erfolgt, ohne dass das Unternehmen einen Nutzen daraus zieht.


Ein Vergleich hierfür ist vielleicht der Erwerb eines gebrauchten Autos von einem privaten Verkäufer. Ich bezahle den Preis und erhalte ein Auto, der Hersteller des Autos hat an diesem Handel allerdings keinen Gewinn mehr. Das Beispiel hinkt ein wenig, da ich mit dem Kauf einer Aktie auch einen Anteil am Unternehmen selbst erwerbe, beim Kauf eines Autos hingegen erhalte ich natürlich keinen Anteil von Mercedes oder Audi.

 

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