cashguide: 2 Anleihen vs. Aktien

Im heutigen Teil werde ich zwei klassische Anlagemöglichkeiten am Markt erläutern, die den Basiswert für die Unmenge heutiger, derivativer Produkte liefern. Zum einen werde ich klassische Aktien als Eigenkapital beleuchten und auf der anderen Seite die Anleihen, die im Gegenteil dazu dienen, Fremdkapital zu beschaffen.


Eine Aktie ist weit aus einfacher zu erklären als viele vermuten. Wie in der Einleitung bereits angerissen, handelt es sich um Eigenkapital, dass einer Unternehmung zugeführt wird. Erwerbe ich beispielsweise eine Aktie von der Telekom an der Börse, bin ich Miteigentümer der deutsche Telekom. Das bedeutet, dass ich theoretisch sowohl Mitbestimmungsrecht im Unternehmen besitze, als auch Anspruch darauf habe vom erwirtschafteten Gewinn, den die Telekom realisiert, einen Teil, relativ zur Höhe meiner Einlage gutgeschrieben zu bekommen.


Neben den Annehmlichkeiten, trage ich als Eigenkapitalgeber aber auch immer das Risiko einer Unternehmung, das bedeutet zum einen, dass ich sowohl in schlechten Jahren ohne Gewinne auf meine Rendite verzichten muss, als auch das Risiko trage mein komplettes Geld zu verlieren, sobald der Wert des gesamten Unternehmens sinken sollte. Dies ergibt sich aus der einfachen Tatsache, dass ich mit einer Aktie Miteigentümer des Unternehmens bin und wenn das gesamte Unternehmen an Wert verliert, verliert logischerweise auch mein kleiner Anteil daran an Wert. Auf der anderen Seite kann der Wert des gesamten Unternehmens natürlich auch steigen, sodass meine Anteile an Wert gewinnen.


Im Gegensatz zu Aktien sind Anleihen Fremdkapital und haben daraus resultierend andere Eigenschaften als Geldanlage. Eine Anleihe ist streng genommen ein Kredit, den ein Unternehmen oder ein Staat (Staatsanleihe), nicht bei einer Bank, sondern bei privaten Investoren einholt. Die Telekom möchte beispielsweise eine Anleihe in einer Größe von 100€ am Markt platzieren um für die 100€ einen neuen Computer für eine Filiale zu kaufen. Diese 100€ werden beispielsweise in 20 Teile gestückelt und am markt platziert. Jetzt stellt sich die Frage warum 20 Personen der Telekom jeweils 5€ zur Verfügung stellen sollten, damit diese einen Computer erwerben kann. An dieser Stelle wird ein Anreiz geschaffen, indem die Telekom beispielsweise nicht die 5€ nach einem Jahr zurückzahlt, sondern stattdessen 5,5€ überweist. Dies ergibt eine Verzinsung der Anleihen in höhe von 10% (5,5€ Rückzahlungsbetrag : 5€ Leihbetrag – 1 = 0,1 = 10%). Kauft man also eine Anleihe wird man also Gläubiger eines Unternehmens, was einem weder die Möglichkeit gibt an unternehmerischen Entscheidungen mitzuwirken, noch an Gewinnen des Unternehmens zu partizipieren. Stattdessen hat man jedoch die Sicherheit unabhängig von Entwicklungen der Wirtschaft und des Unternehmens selbst zum Laufzeitende seinen Leihbetrag(5€) mit der vorher vereinbarten Entschädigung(0,5€ = 10%) pünktlich zurück zu erhalten.


Die Frage die sich stellt ist, welche Anlage besser ist, die Anleihe, die eine feste Rückzahlung verspricht oder die Aktie, die theoretisch höhere Gewinne ermöglicht. Wie bei vielen Fragen muss man auch diese mit einem, „es kommt darauf an“, beantworten. Grundsätzlich galten Aktien immer als risikoreichere Anlage, die auch mehr Rendite im Ausblick hat, da man zum einen von den jährlichen Ausschüttungen profitiert aber auch vom Wachstum des Unternehmens selbst. Auf der anderen Seite waren Anleihen der sichere Hafen, der zwar weit aus geringere Renditen eingebracht hat aber dafür keinen Schwankungen der Wirtschaft ausgesetzt war.


Wie wir aber alle im Zuge der Eurokrise gesehen haben bringen, weder Aktien hohe Renditen, noch sind Anleihen sehr sicher. Es sollte immer die Frage gestellt werden welches Geld ich mit welcher Absicht in was investieren möchte. Tatsache ist, dass in schwierigen Zeiten eine Anleihe sinnvoller erscheint, da ich als Fremdkapitalgeber (Anleihe) im Falle einer Insolvenz immer den Vorzug vor dem Eigenkapitalgeber (Aktie) erhalte, allerdings sollte man sich die Frage stellen ob eine Investition überhaupt sinnvoll erscheint, wenn man das Worst-Case-Szenario als Entscheidungskriterium wählt.


Ebenfalls muss die derzeitige Geldpolitik der Zentralbanken mit einem kritischen Auge verfolgt werden, da das ständige Aufblähen der Geldmenge durch die Zinssenkungen zur Inflation führt und somit Anleihen mit nur niedriger Verzinsung die Gefahr bergen, dass unter dem Strich weniger übrig bleibt als vorher eingezahlt wurde, dieses Thema werde ich aber speziell in einem anderen Beitrag zusammen mit Sparbüchern, Bausparverträgen und Lebensversicherungen und ähnlichen Betrügereien erläutern.


Meine persönliche Meinung zur aktuellen Situation fällt zu Gunsten der Aktien aus. Dies kommt aus der einfachen Annahme, dass expansive Geldpolitik der Banken die niedrig verzinsenden Anleihen relativ unattraktiv gestaltet und gleichzeitig Unternehmen durch den selben niedrigen Zins geringere Kapitalkosten haben, sodass vorher nicht rentable Projekte positive Cashflows ermöglichen, was wiederum den Gewinn und auch den Wert eines Unternehmens(Aktienkurs) erhöht. Nichtsdestotrotz sollte immer ein wachsames Auge die Entwicklungen am Markt beobachten, da die neuen Höchststände der Börsen schnell umkippen können und viel Wert innerhalb von wenigen Stunden zerstört wird. Um diesen entgehen zu können, sollte man sich immer bewusst machen, dass eine Aktie, welche man im gegebenen Zeitpunkt nicht verkaufen möchte gleichzusetzen ist mit der Kaufentscheidung der selben Aktie zu diesem Kurs.

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