Cashguide: 3 Der Leerverkauf

Nach einer längeren Pause in dieser Sparte möchte ich mich heute mit dem Thema der Leerverkäufe auseinandersetzen. Ich bin vor einiger Zeit aus allen Wolken gefallen, als eine Person, die täglich im wirtschaftlichen Umfeld unterwegs ist, nach einer Präsentation gefragt hat, wie es denn sein kann, dass man mit Aktien Geld verdienen kann wenn die Märkte fallen.


Mal abgesehen von den zahlreichen derivativen Produkten, die mittlerweile Angeboten werden, gibt es die klassische Variante des Leerverkaufs, der Gewinne ausschließlich auf Aktienbasis, selbst bei fallenden Märkten ermöglicht.


Die Idee dahinter ist ziemlich simpel. Ich gehe davon aus, dass die Märkte in Zukunft fallen werden. Im nächsten Schritt suche ich eine zweite Partei, die diese Meinung nicht teilt. Mit dieser Partei vereinbare ich einen Termin des Handels über 5 Stück einer Aktie die derzeit bei 100€ steht. Der heutige Marktwert der Aktien beträgt also 500€. Ich versichere der anderen Partei zu einem gewähltem Zeitpunkt in der Zukunft diese 5 Stück für 80€ zu verkaufen was wiederum 400€ an Gesamtwert ergibt. Da ich nun davon ausgehe, dass die Märkte stark einbrechen werden versuche ich, so tief wie möglich in dem Zeitraum zwischen Vertragsschluss und dem vereinbartem Lieferzeitpunkt zu kaufen. In dem fiktiven Beispiel fällt die Aktie bis auf 40€ das Stück, was einem Gesamtwert von 200€ entspricht. Nun kann ich diese Aktien an der Börse für diese 200€ erwerben und die Gegenseite ist vertraglich dazu verpflichtet diese für 80€ das Stück abzunehmen. Damit erwirtschafte ich einen Gewinn von 200€, da ich Aktien zu einem Preis von 200€ erwerben, aber für 400€ verkaufen kann.


Interessierte Leser werden sicher schon erkannt haben, dass dieses Konstrukt natürlich auch zu persönlichen Ungunsten kippen kann und ebenfalls zu Verlusten führen könnte. Dieser Fall tritt ein, wenn der Aktienkurs entgegen unserer Erwartungen nicht einbricht, stattdessen weiter ins positive dreht. Hierbei kommen wir in die Situation, dass wir verpflichtet sind Aktien zu einem Preis von insgesamt 400€ zu verkaufen, der tatsächliche Wert am Markt kann aber beispielhaft 600€ betragen kann, wenn eine Aktie auf 120€ pro Stück geklettert ist. In dieser Konstellation entsteht ein Verlust von 200€, da wir ebenfalls vertraglich dazu verpflichtet sind zu dem vorher vereinbartem Preis von 400€ zu verkaufen.


Wie wir sehen gibt es Möglichkeiten im Markt Gewinne abzugreifen, selbst wenn eine Aktie Verluste erzeugt. Ausschlaggebend ist die eigene Position und die Übereinstimmung der eigenen Erwartungen mit der tatsächlichen Entwicklung.


Gegner der Leerverkäufe läuten die Warnglocken wenn diese Strategien Anwendung finden. Ich persönlich finde, dass diese Praktiken keiner Regulierung unterliegen sollten, da jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt mit einer anderen Partei ein Geschäft über Gut, Menge und Preis abschließen dürfen soll, da dies ein Teil der freien Marktwirtschaft ist.