Das letzte Regal in der Buchhandlung

Das Lesen von Büchern an sich und erst recht von Biographien, würde sicherlich bei einer Umfrage, nicht die ersten Plätze unserer Freizeitgestaltung einnehmen. Nichtsdestotrotz ist das Lesen ein zentraler Bestandteil der persönlichen Bildung und trägt sicherlich ein Stück zur Gestaltung unseres Charakters bei.


Wenn wir heute nicht Amazon aufrufen sondern uns in die reale Welt trauen, finden wir früher oder später sicherlich einen dieser uralten Läden, in denen es das geschriebene Wort noch auf Papier und nicht als PDF gibt. Für die meisten Menschen der jüngeren Generation ist dieses Terrain unbekannt, so fragt man sich zunächst sicherlich, wieso man sich durch Unmengen von Regalen mit Kalendern, Sparschweinen und Plüschtieren kämpfen muss, bevor man es schafft ein „Buch“ in einer „Buch“-handlung in den Händen halten zu können.


Da sich dieser Artikel speziell mit Biographien befasst, müssen wir an verschiedenen, fast allen, Abteilungen vorbei hin in die letzte, dunkelste Ecke der Buchhandlung. Hinter uns gelassen haben wir selbst, die seit Jahren unberührten Romane drittklassiger Fantasy-Autoren, sowie diverse Kräutersammelwerke, bevor wir ein kleines, durch eine Neonlampe beleuchtetes Regal finden, von dem uns zahlreiche Grimassen freundlich anlächeln.


Eine eigene Biographie veröffentlichen kann grundsätzlich jeder, so findet sich in diesem Genre eine qualitativ große Kluft von Niederschriften der unterschiedlichen Lebensgeschichten. Ohne nun über die Qualität der verschiedenen Bücher zu urteilen, muss der Lebensverlauf jeder Person, die uns von so einem Regal aus zulächelt, etwas besonderes beinhalten.


Unabhängig davon, wie ausgeschmückt und selbstverliebt nun die eigene Geschichte zu Papier gebracht wurde, nimmt uns der Erzähler mit und teilt seine Erfahrungen und Gedankengänge mit uns. Wir erkennen uns vielleicht gerade zu Beginn solcher Bücher in dem Erzähler wieder und ziehen Parallelen zu unserem eigenen Leben. Führt der Erzähler die Geschichte fort, lassen sich Ursache und Wirkung von Ereignissen erkennen und wir lernen, wie sich Entscheidungen gezielt auf das Leben und dessen Verlauf auswirken.


Ein zentraler Aspekt, wenn nicht sogar der zentrale Punkt von Erfolgsgeschichten, der in solchen Biographien vermittelt wird ist die „Try and Error“ Mentalität. Wir lernen, dass kaum eine Karriere, wie eine Rakete gestartet ist, sondern viel mehr Rückschläge und die Erfahrungen, die man daraus zieht einen soweit charakterlich festigen, dass man für den kommenden Höhenflug und die damit resultierende Verantwortung überhaupt gewappnet ist. Öfters aufzustehen, als gefallen zu sein, verbindet fast alle diese Geschichten und gewehrt uns den Einblick, dass niemand am Sternenhimmel geboren wird, sondern jeder seinen eigenen Weg dorthin finden muss, wenn er denn möchte.


Von Biographien, darf man allerdings keine Wunder erwarten. Sie sind keine Garantie oder Anleitungen, lediglich ein Erfahrungsschatz, aus dem wir die für uns nötigen Schlüsse ziehen und davon profitieren können. Bestenfalls ist es ein Wegweiser und eröffnet andere Sichtweisen auf Aufgabenstellungen und Probleme und lässt uns erkennen, dass man nur an Aufgaben wachsen kann, die einen zunächst überfordern.


Setze dir Ziele und Aufgaben, scheitere daran, versuche es noch einmal und wachse und wenn du es geschafft hast dein Leben so interessant zu gestalten, dass es einmal für andere lesenswert sein sollte, wirst du dich früher als du denkst in dem verstaubten Rega,l in der letzten Ecke der Buchhandlung finden und fröhlich grinsend auf potentielle Nachahmer schauen und deine Lebenserfahrung mit ihnen teilen.