Twitter geht an die Börse!

Der Micro Blog Twitter meldete seinen eigenen Börsengang mit 135 Zeichen und begibt sich  nach Facebook, Google und Amazon als weiteres Internet-Unternehmen, der digitalen Revolution, an den Kapitalmarkt. Da der Umsatz von Twitter die Milliardengrenze wohl nicht übersteigt, müssen die Zahlen erst drei Wochen vor Börsengang veröffentlicht werden, was derzeit also nur Spekulationen über den Wert des Unternehmens oder den Preis der Wertpapiere zulässt.


Diese Tatsache gibt allerdings die Gelegenheit sich etwas abstraktere Gedanken über das Unternehmen und dessen Zukunftsaussichten zu machen, wenn man die Zahlen vom Konzept loslöst.


Es ist bekannt, dass Twitter und Facebook sich den Markt des Social-Networkings mehr oder weniger Teilen, obwohl die Konzepte gerade in jüngerer Vergangenheit immer mehr auseinander driften. Während Facebook sich zu einer immer größeren Datenkrake zu entwickeln scheint, die eine korrekte Identifikation erfordert und diese auch mit, ich nenne sie mal, fragwürdigen Denunziations-Methoden durchsetzt, erscheint Twitter eher als liberales Netzwerk welches nicht die User und deren Daten in den Vordergrund stellt, sondern für den Geist der freien Meinungsäußerung und der aktuellen, nicht gefilterten Nachrichten eintritt.


Diesen voneinander abweichenden Konzepten ist es wohl zu verdanken, dass sich Twitter im Gegensatz zu vielen anderen sozialen Netzwerken wie zum Beispiel der VZ Gruppe, nicht vom Markt verabschiedet hat, sondern seine eigene Fangemeinde besitzt und sich gegen Facebook behauptet.


Was kann man aber von der gesamten Branche erwarten? Facebook, die den Börsengang vor gut einem Jahr, mehr als in den Sand gesetzt haben, sind mittlerweile hoch hinaus und erreichen neue Bestnotierungen der Papiere. Auch der holprige Start um das Jahr 2000 hat mit dem platzen der Dotcom-Blase hat den Markt bereinigt, sodass man davon ausgehen kann, dass Unternehmen, die täglich mehrere Millionen Nutzer haben von Kinderkrankheiten geheilt sind.


Meiner Einschätzung nach stehen wir erst am Beginn der Digitalisierung unserer Welt. Streng genommen sind wir erst in den letzten zehn Jahren mit den Smartphones und tragbaren Geräten und den Ausbauten der Datennetze wirklich mobil online gegangen.


Dennoch gibt es immer noch riesige Teile der Erdbevölkerung, die von dieser Technik noch nicht profitieren können. Unternehmen wie Google, Amazon und zahlreiche Cloud Dienste, können von vielen Menschen noch nicht wahrgenommen werden.


Der tatsächliche Wachstumsfaktor dieser Industrie, liegt aber nicht in der schieren Masse der zu erreichenden Konsumenten, sondern vielmehr im Ausbau der Dienstleistungen selbst. Diese Giganten dringen mit den Diensten immer weiter in unseren Alltag ein und mögliche Bio-Chips, Fingerabdruck-Interaktionen und nativ tragbare Devices gehören längst nicht mehr der Phantasie an.


Die Social Networks nehmen in dieser neuen Wirtschaft den Teil der Vermittler und Datenhändler ein, sodass Dienstleistungen und Endprodukte genau da ankommen, wo sie auch hin sollen. Da Informationen, seit dem Beginn unserer Existenz, das wertvollste Gut darstellen und der Austausch mit der Entwicklung des Internets einen Quantensprung vollbracht hat, können Unternehmen, die damit Handeln in Zukunft nur Gewinner sein.


Die Frage, die sich stellt ist, wie Facebook und Twitter  den Markt unter sich aufteilen werden und in welche Richtung sich Twitter spezialisieren wird. Bei Facebook ist die Richtung mittlerweile klar zu erkennen. Was als harmloses Vernetzen mit Bekannten angefangen hat läuft auf einen digitalen Avatar hinaus, der möglichst dem Profil des Originals eins zu eins entsprechen soll. Zur Not wird dieses auch erzwungen.


Bei Twitter bleibt die Frage bis jetzt unbeantwortet. Meine Einschätzung ist aber, dass Twitter sich in irgendeiner Art weiter in den Bereich der freien und schnellen Nachrichtenvernetzung entwickeln wird. Während Facebook sich so einrichten lässt, dass man es quasi als eine Zeitung mit persönlichen Vorlieben gestalten kann, könnte Twitter die Rolle eines “Gossip-Breaking-News” Mediums einnehmen, welches die ungefilterten Eindrücke des gesamten Erdballs für einen sammelt und diese dann einem an den Kopf wirft.


Zuletzt stellt sich die Frage, die allen potenziellen Investoren auf der Zunge brennt. Wenn ich in ein Unternehmen investiere, erwarte ich auch Ausschüttungen, um mir den neuen Porsche anzuschaffen oder vielleicht den Pool zu vergrößern, wenn denn noch etwas übrig bleiben sollte, nachdem die Ehefrau oder Geliebte einen Nachmittag durch die Innenstadt unterwegs war.


Über die Generierung der Einnahmen ist bei den sozialen Netzwerken tatsächlich nicht besonders viel bekannt. Offiziell wird der Gewinn aus Werbeeinnahmen generiert. Wo aber tatsächlich weitere Möglichkeiten, mit den gesammelten Informationen Geld zu verdienen liegen, bleibt Spekulation. Tatsache ist, dass Unternehmen, die mit Informationen ihr Geld verdienen im Informations-Zeitalter keine Fehlentscheidung sein können, zumal Informationen auch schon vor dieser Epoche Gold wert waren. Man sollte dennoch immer vor Augen haben, dass Social Networks immer mit der Zahl ihrer Benutzer stehen und fallen.


“As a general rule, the most successful man in life is the man who has the best information.”

Benjamin Disraeli

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