Über Loyalität, Gier und Königsmord

Seit der öffentlichen Auseinandersetzung des deutschen Rap Schwergewichts Bushido und seines jahrelang, treuen Freundes Kay One, ist nun etwas Zeit verstrichen, sodass es den Anschein hat, als hätte Bushido, aus seiner stärkeren Position heraus, die Karriere von Kay One mit dem Fahrstuhl in den Keller befördert.


Was tatsächlich abgelaufen ist und wie es sich zugetragen hat, wissen nur die Beiden und wahrscheinlich unterscheiden sich diese Sichtweisen schon aufgrund des langen Zeitraums, der Ereignisse stark voneinander.


Was wir als Aussenstehende beurteilen können, lässt sich lediglich auf die Umstände beziehen und die Punchlines, die sich die beiden um die Köpfe gehauen haben.

Während Kay One lediglich einen Track aufgenommen hat und diesen, mit nur einem wirklich treffenden Schlag führen konnte, indem er auf den angeblichen Sklavenstatus Bushidos in Berlin verweist, hat Bushido ein Feuerwerk abgebrannt, indem er ein grandioses Video auf einen noch besseren Track abrundete und alles mit einer Story und der passenden Überschrift versehen hat. Das Päckchen war, wie nicht anders zu erwarten der Perfektion nahe und explodierte in Kay`s Fangemeinde, was der Marke, die sich Kay One geschaffen hatte wohl eine große Abschreibung beschert hat.

Gerade in dieser Branche sind der Name und das damit verbundene Image, ein zentraler Bestandteil der Wertigkeit. Um das ein Mal in klare Worte zu fassen:“ Welcher Clubbesitzer bucht gerne einen vermeintlichen Star, der auf seinem eigenen Gebiet dermaßen entmannt und dessen Lebensgeschichte so durch den Dreck gezogen wurde, dass dieser sich besser drei mal überlegen sollte, ob es sich eher lohnt die zerbrochenen Scherben der bisherigen Existenz aufzusammeln und zusammen zu kleben, oder ob es nicht vielleicht wirtschaftlich lukrativer erscheint eine Surfschule mit einem neuen Pass in Thailand zu eröffnen.“


Aber abgesehen vom Rap stellt sich mir die Frage, wieso Menschen, in diesem Fall Kay, das wertvollste, was in unserer heutigen schnelllebigen Welt existiert, oftmals durch den Wahn und der Gier nach Geld vergessen. Ich spreche von Loyalität. Loyalität beschreibt die völlige Identifikation mit einer Person oder einer Gruppe unabhängig von den aktuellen Zuständen des Mobs und der Umwelt. Auch wenn einem mal selbst dadurch ein persönlicher Schaden entsteht, hat man doch auf die lange Sicht Weggefährten, auf die man sich blind verlassen kann. Diese Eigenschaft kann man für kein Geld dieser Welt kaufen und ebenfalls sollte man Loyalität für kein Geld dieser Welt aufgeben, denn eine eingeschworene Gruppe ist zusammen um ein vielfaches wertvoller und vor Allem stärker. Bekannte Erfolgsgeschichten dieses Loyalitäts Konzepts muss man nicht lange suchen, man findet diese durch die gesamte Geschichte hindurch verteilt, ob die Familien Clans in Italien, die Rothschild Bankendynastie oder ein fiktives Beispiel aus dem Film The Fast and the Furious. Der Erfolg der Gruppe bringt im Endeffekt jeden einzelnen weiter, als er es vermutlich jemals alleine schaffen würde und gibt auch den psychischen Halt, dass man mit den Problemen, mit denen man konfrontiert wird, nicht alleine fertig werden muss, sondern sich auf ein starkes und fähiges Backup verlassen kann.


Leider ist es oftmals schwierig Menschen im Leben zu finden, die so stark zu einem passen, dass solche Bindungen entstehen. Aus diesem Grund ist mir auch schleierhaft wie Kay One dieses Privileg für ein paar müde Groschen mehr aufgeben konnte. Aber jeder ist ja seines eigenen Glückes Schmied und Gier frisst ja bekanntlich Hirn.