Unser digitales Ich steht uns selbst im Weg

In den Medien kursierte während der Weltmeisterschaft in Brasilien ein Bild von einer belgischen Teufelin, die aufgrund Ihres strahlenden Lachens auf der Tribüne kurzerhand von einem L’Oréal Scout entdeckt wurde und einen aussichtsreichen Werbevertrag angeboten bekommen hat.


Diese Geschichte machte Axelle Despiegelaere über Nacht bekannt und überflutete ihre Social Network Profile mit Fan- und Freundesanfragen. Es hätte alles so schön kommen können, allerdings stand sich Axelle selbst im Weg, indem ein Foto von ihr mit einem erlegten Tier aufgetaucht ist, was L’Oréal dazu bewogen hat das Angebot zu widerrufen. Die Frage, ob der Wiederruf berechtigt ist stellt sich mir nicht, da ein Unternehmen auf seine PR achten muss und die Entscheidung mit Bedacht getroffen wurde, um die Marke selbst nicht zu beschädigen. Interessanter ist jedoch, was für weitreichende Folgen die eigenen Aktivitäten im Netz auf unser reales Leben haben.


Mit der Erfindung der Social Networks hat eine ganz neue Episode der privaten Prostitution in das Leben der meisten Menschen Einzug gehalten. Es wird gepostet wer, mit wem, was, wo gemacht hat und als Beweis wird das Erlebnis mit akribischen Aufnahmen untermauert, die durch unzählige Filter gejagt wurden. Über die Inhalte machen sich einige mehr andere weniger Gedanken, grundsätzlich wird aber der digitale Wahnsinn immer weiter auf die Spitze getrieben, sodass jegliche Kleinigkeit bis zum Erbrechen geliked, geteilt und gewittert wird.


Ich für meinen Teil glaube, dass sehr viele nicht nur ihr Leben mit anderen teilen möchten, sondern vor allem die Selbstinszenierung betreiben, um anderen zu zeigen, was man sich eigentlich alles leisten kann, obwohl viele Anschaffung bei wirtschaftlicher Betrachtung weder legitim noch nachhaltig sind. Dieser Drang zum digitalen Gliedvergleich kann nicht nur zu einer Sucht werden, wenn man stetig nach den Likes und der Anerkennung von anderen hechelt, sondern kann wie am Beispiel von Axelle zu schwerwiegenden Konsequenzen für unser zukünftiges Leben führen.


Das Internet vergisst nichts! Aus diesem Grund sollte die Selbstdarstellung im Internet nicht unser gesamtes Privatleben prostituieren, sondern gesunde Grenzen kennen. Grundsätzlich gehe ich von einem Weniger ist mehr aus, da die 100 zusätzlichen Likes unter meinem Nudelgericht weder das Essen besser schmecken lassen, noch die Anerkennung meiner Person gegenüber aufbessern, da wirklich jeder für 20€ essen gehen kann. Es ist ein Teufelskreislauf, der viel Zeit und Energie erfordert, aber solang man keine Person des öffentlichen Lebens ist, nichts einbringt und sogar im Gegenteil mehr Schaden als Nutzen stiften kann.


„Jeder möchte etwas sein, aber keiner möchte etwas werden.“